Martin Albermann

Schaufenster Fotografie - Wohnkonzept Flüchtlingsunterkünfte der Stadt Münster

 

„Freies Thema“ im Rahmen der Gesellenprüfung

Im Mai 2015 legte Martin Albermann nach dreijähriger Ausbildung beim LWL-Medienzentrum für Westfalen in Münster seine Gesellenprüfung ab. Insgesamt vier Aufgabenbereiche waren zu bewältigen: drei Pflichtthemen sowie ein sogenanntes „freies Thema“, das den Prüflingen die Möglichkeit bieten soll, ihren persönlichen Interessen zu folgen und einen fiktiven Auftrag von der Konzeption, über die Erstellung der Fotos bis hin zur Präsentation auszuführen. Laut Vorgabe soll die Aufnahmeserie zwischen drei und sechs Aufnahmen umfassen, um so möglichst realitätsnahen Annahmen hinsichtlich Umfang und Verwendungszweck zu entsprechen. Die neun gezeigten Motive sind innerhalb von drei Tagen entstanden.

 

Konzept

Im Rahmen der Ausbildung entdeckte Martin Albermann sein Interesse an Reportage- und Dokumentarfotografie. Seine Affinität zu gesellschaftspolitischen Themen sowie die zunehmende öffentliche Diskussion um die menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen ließ Albermann zu dem Schluss kommen, eine Fotoreportage zum „Wohnungskonzept Flüchtlingsunterkünfte der Stadt Münster“ zu realisieren. Die Stadt Münster fungierte dabei als fiktive Auftraggeberin, die die Motive später für die eigene Öffentlichkeitsarbeit verwenden möchte. Auf Wertungen der Wohnsituation wurde daher bewusst verzichtet.

Die drei zum Zeitpunkt der Gesellenprüfung in Münster realisierten Unterbringungsformen dienten Albermann als Gliederung seiner Fotoreportage: neues integratives Wohnkonzept mit begrenzter Personenzahl im Objekt; Umnutzung von Leerständen, sog. BIMA-Häuser der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben; Container-Unterbringung. Seine Reportage verfolgt das Ziel, den Raum und die Flüchtlinge in Beziehung zu setzen. So entstanden an jedem Unterkunftsstandort dokumentarische Architekturaufnahmen, die das dortige Leben andeutungsweise erkennen lassen. In einem weiteren Schritt sollten die Menschen in ihren alltäglichen Situationen gezeigt werden, dabei nutzt er auch die Darstellungsform des Portraits.     

 

Realisierung und Ausstellung

Die Realisierung der Fotoreportage innerhalb von nur drei Tagen erforderte eine intensive Vorbereitung; hierfür standen drei Wochen zur Verfügung. Neben der Einarbeitung in die Flüchtlingsthematik galt es, Unterstützer zu finden – vor allem die Stadt Münster (Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten, Städtisches Sozialamt). Nach Aufsuchen von insgesamt 12 relevanten Flüchtlingsunterkünften wählte Martin Albermann drei Standorte aus: Angelsachsenweg, Hoppengarten, Roxel. Wichtige Mittler vor Ort, auch bereits ein bis zwei Wochen vor Beginn der eigentlichen Fotoreportage, waren Hausmeister und Sozialarbeiter, die Albermann zu abgesprochenen Terminen den Zugang in die Unterkünfte und damit erste vertrauensbildende Kontakte und Terminabsprachen ermöglichten. Die Aufnahmen selbst entstanden zumeist im Rahmen der Sprechzeiten der Sozialarbeiter.

Die Abschlussarbeit bestehend aus sechs Motiven wurde für die Präsentation im Stadtmuseum um jeweils ein Motiv pro Unterkunftsstandort erweitert.

Die Resonanz bei den Flüchtlingsfamilien war insgesamt sehr positiv. Häufig bekam er über die Kinder Kontakte zu den Familien, und so entstanden zusätzlich Aufnahmen für das Familienalbum. Als Dankeschön erhielten die Familien einige Erinnerungsfotos.

 

Vita

Martin Albermann wurde am 25. Oktober 1992 in Mettingen geboren. Nach Erlangen der Fachhochschulreife begann er im August 2012 eine dreijährige Fotografenausbildung beim LWL-Medienzentrum für Westfalen. Als Jahrgangsbester wurde Albermann vom Verband der Berufsfotografen Westfalen im Rahmen derLossprechungsfeier vom 14. Juni 2015 im HBZ Münster ausgezeichnet. Auch sein Ausbildungsbetrieb erhielt eine Auszeichnung.